Das hübsche an einer Diplomarbeit ist, dass man sich mit vielen Sachen beschäftigen darf, die nicht die Bohne was mit dem Thema zu tun haben, aber trotzdem Zeit (und Nerven kosten). Gerne gesehener Gast in dieser Kategorie von Problemen: "Wie kriege ich es eigentlich in LaTeX hin, dass ...".
Eins vorweg: ich halte LaTeX für die grossartigste Erfindung seit geschnitten Brot (also bitte kein Hass-Mails) und denke, dass ich damit viel Zeit und Ärger spare (also bitte auch keine "Mit Word wär das nich passiert"-Mails), aber eine Sache, die mich wirklich nervt ist die stets wiederkehrende Antwort "das ist so nicht vorgesehen und wenn Du das brauchst machst Du was falsch" auf beliebige Fragen. Das widerspricht in meinen Augen völlig der Intention und den Möglichkeiten des Systems. Das dolle ist doch, das eigentlich alles geht.
Jetzt aber zum eigentlichen Thema...
Das Problem
Für große Dokumente erscheint eine tief geschachtelte Gliederung – trotz aller berechtigten grundsätzlichen Bedenken – manchmal (!) sinnvoll. Wie kann ich also mein Dokument in LaTeX so gliedern, dass ich auch Überschriften "vierter Ordnung" wie "1.4.3.2 Pseudo-sinnvolle Beispiele für Überschriften in Blindtexten" bekomme? Oder auch: gibt es so etwas wie eine \subsubsubsection?
Grundsätzliches
Der erste entscheidende Trick ist das Festsetzen, bis zu welcher Gliederungstiefe Nummern vergeben werden. Der Default ist hier 2, das heißt, dass alle Gliederungen 0ter, 1ter und 2ter Ordnung (also bis \subsection bzw. \subsubsection, je nach Dokumentenklasse, dazu gleich mehr) nummeriert werden. Über den Befehl
\setcounter{secnumdepth}{3}
wird diese hochgesetzt. Die maximale Schachtelungstiefe ist 6, wer also eine Überschrift wie "1.4.3.2.5.3.4.5.8 Blindtext und Minnegesang" sollte vielleicht doch überlegen, ob seine Gliederung nicht etwas überarbeitet werden kann.
Welche Gliederungsebene im Inhaltsverzeichnis auftauchen kann unabhängig von der Gliederungsebene, bis zu der nummeriert wird, festgelegt werden und zwar mit dem Befehl
\setcounter{tocdepth}{3}
Gliederung in verschiedenen Dokumentenklassen
Wie kriege ich jetzt also meine Überschrift vierter Ordnung hin? Nun, das hängt noch damit zusammen welche Dokumentenklasse verwendet wird.
Die einfache Lösung
In report und book gibt es die Gliederungsstufe \chapter oberhalb von \section. Wenn also wie oben beschrieben die Gliederungstiefen für Nummerierung und Inhaltsverzeichnis auf 3 (also bis zu vierten Ordnung, man zählt ja ab 0) gesetzt wurde, erhalten alle \subsubsections ihre (vierstellige) Nummerierung und tauchen damit auch im Inhaltsverzeichnis auf.
Die nicht so einfache Lösung
In der Dokumentenklasse article gibt es die Gliederungsstufe \chapter nicht. Wenn man also unbedingt einen article schreiben will und Überschriften vierter Ordnung braucht führt das Setzen der Gliederungsebenen dazu, dass \paragraphs jetzt eine Zahl bekommen. Leider wird ein \paragraph aber anders als die anderen Überschriften formatiert, nämlich ohne Absatz.
Somit ist also eine Umformatierung von \paragraph notwendig, damit dieser so aussieht, wie man sich eine \subsubsubsection vorstellt. Das macht man am besten mit dem Package titlesec. Damit kann man auch gleich dafür sorgen, dass ein \subparagraph dann so aussieht wie vorher der \paragraph. Die notwendigen Befehle dazu sehen dann insgesamt so aus (für genauere Erklärungen was da passiert verweise ich auf die Dokumentation von titlesec):
\setcounter{secnumdept}{3}
\setcounter{tocdepth}{3}
\usepackage[noindentafter]{titlesec}
% paragraphs sehen aus wie subsubsubsections
\titleformat{\paragraph}[hang]{\bf}{\thetitle\quad}{0pt}{}
\titlespacing{\paragraph}{0pt}{1em}{0.5em}
% subparagraphs sehen aus wie vorher paragraphs
\titleformat{\subparagraph}[runin]{\bf}{}{0.5em}{}
\titlespacing{\subparagraph}{0pt}{1em}{1em}
Die Abstände habe ich hier nach Augenmaß gewählt, wem das so nicht gefällt kann sie ja nach Belieben ändern.
Schneller, höher, weiter
Natürlich ist die hier vorgestellte Lösung eher Marke q&d (qick'n'dirty) und kann beliebig verbessert werden. So kann man mit dem Package titlesec auch eigene Überschriftsarten und -ebenen definieren, so dass man sich eine "richtige" \subsubsubsection basteln könnte.